Untersuchte Kompetenzen bei PISA 2022

PISA wird normalerweise im Dreijahresrhythmus durchgeführt. Untersucht werden die drei Kompetenzbereiche Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften.

Bei jeder Erhebung bildet einer der drei erfassten Kompetenzbereiche die Schwerpunktdomäne und wird umfassender getestet.

Schema der PISA-Zyklen als drei ineinanderliegende Bogen: erster Zyklus 2000, 2003 und 2006, zweiter Zyklus 2009, 2012 und 2015, dritter Zyklus 2018, 2022 und 2025. Schwerpunktdomäne ist 2000, 2009 und 2018 das Lesen, 2003, 2012 und 2022 die Mathematik und 2006, 2015 und 2025 die Naturwissenschaften; die beiden übrigen Domänen werden jeweils zusätzlich getestet.

Auf internationaler Ebene wird die Untersuchung weiterer Kompetenzbereiche (Financial Literacy) sowie ein jeweils wechselnder optionaler Kompetenzbereich (innovative Domäne) angeboten. Die Schweiz nahm jedoch an der Untersuchung dieser zusätzlichen Bereiche bis PISA 2022 nicht teil.

Zusätzlich zu den Leistungstests, die die Kompetenzen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erheben, beinhaltet PISA auch individuelle Einschätzungen und Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler. Ein Fragebogen erfasst nicht nur Themen, die mit der Schule zusammenhängen, sondern auch andere Lebensbereiche der Jugendlichen. Innerhalb des Schülerfragebogens gibt es einen speziellen Abschnitt, der sich mit Fragen zu Informations- und Kommunikationstechnologien beschäftigt. Des Weiteren ergänzen die Schulleitungen der teilnehmenden Schulen die Studie, indem sie Fragebögen ausfüllen, die zusätzliche Einblicke in den schulischen Hintergrund und das Bildungssystem liefern. Bei PISA 2022 wurden in der Schweiz die Leistungstests in den drei Kompetenzbereichen und die beiden Fragebögen eingesetzt. Weitere Domänen oder Fragebögen (wie z. B. der Elternfragebogen), die im Rahmen von PISA international zur Verfügung stehen, wurden in der Schweiz nicht verwendet.

Den roten Faden zwischen den unterschiedlichen Kompetenzen, die durch PISA erfasst werden, bildet das Konzept des lebenslangen Lernens. Das Ziel von PISA ist die Messung der literacy, ein Begriff, der nicht nur die Kenntnisse in den einzelnen Fächern umfasst, sondern auch die Fähigkeit, über eigene Kenntnisse und Erfahrungen zu reflektieren und dieses Wissen bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen anzuwenden. Die Festlegung der Kompetenzbereiche und die Entwicklung der Testaufgaben basieren auf diesem Konzept.

Entsprechend untersucht PISA nicht wie gut curriculare Vorgaben und Inhalte erreicht werden. Von Interesse ist vielmehr, inwieweit Jugendliche über Kompetenzen verfügen, die es ihnen ermöglichen, den schulischen und beruflichen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Als Grundlage für die Erfassung der Kompetenzen dienen die theoretischen Rahmenkonzeptionen zu den drei Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften.

Übrigens: Curriculare Kompetenzen werden in der Schweiz im Rahmen der Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen (ÜGK) seit 2016 überprüft. Die Ergebnisse der ÜGK zeigen auf, welche Anteile an Schülerinnen und Schülern in den Kantonen den geprüften Ausschnitt der Grundkompetenzen erreichen.

Definition Lesekompetenzen bei PISA
Grundlage für die Erfassung der schulischen und ausserschulischen Kompetenzen bildet die theoretische Rahmenkonzeption der Lesekompetenz. Diese wurde mit Blick auf die sich im Zusammenhang mit der Nutzung digitaler Medien verändernde Lesepraxis letztmalig für PISA 2018 überarbeitet.

Lesekompetent zu sein bedeutet, über die Fähigkeit zu verfügen, relevante Informationen aus Texten zu lokalisieren, Texte zu verstehen, sie zu bewerten und über sie zu reflektieren, sowie sich mit ihnen auseinanderzusetzen, um eigene Ziele zu erreichen, eigenes Wissen zu entwickeln und an der Gesellschaft teilzuhaben.

Beispielaufgaben: Lesekompetenz (OECD Website)

Die nachfolgende Grafik zeigt die für die Erfassung der Lesekompetenz relevanten kognitiven Prozesse:

Schema der Lesekompetenz mit zwei Bereichen: Die Textverarbeitung umfasst flüssiges Lesen, das Lokalisieren von Informationen, das Textverstehen sowie das Bewerten und Reflektieren. Die aufgabengebundenen Prozesse umfassen das Setzen von Zielen und die Planung sowie die Überwachung und Selbstregulation.

Die Revision der theoretischen Rahmenkonzeption der Lesekompetenz führte zu folgender Veränderung:

  • Für PISA 2018 wurden traditionelle Aufgabenformate (statische Aufgabenstellungen in Form von Text, Grafiken, Tabellen und Graphen sowie damit im Zusammenhang stehende Fragen) durch interaktive Aufgaben ergänzt. Diese Erweiterung der Aufgabenformate wird durch das computerbasierte Testen ermöglicht, wobei auch die veränderte Lesepraxis berücksichtigt wird.

Definition mathematische Kompetenzen bei PISA
Die Rahmenkonzeption definiert die theoretischen Grundlagen bei PISA im Fach Mathematik basierend auf einem grundlegenden Konzept von Mathematikkompetenz. Die Rahmenkonzeption für Mathematik wurde für PISA 2022 überarbeitet.

Mathematikkompetenz ist die Fähigkeit einer Person zum mathematischen Argumentieren sowie Mathematik in einer Vielzahl von Alltagskontexten einzusetzen, in denen Problemstellungen mathematisch formuliert, bearbeitet und interpretiert werden. Dies beinhaltet mathematische Konzepte, Fakten und Methoden, um Phänomene zu beschreiben, zu erklären und vorauszusagen. Mathematikkompetenz hilft Personen zu erkennen, welche Rolle Mathematik in der Welt spielt, um fundierte Urteile abzugeben sowie gut begründete Entscheidungen zu treffen, so wie sie von konstruktiven, engagierten und reflektierten Bürgerinnen und Bürger des 21. Jahrhunderts benötigt werden.

Beispielaufgaben: Mathematik (OECD Website)

Die nachfolgende Grafik zeigt die für die Erfassung der Mathematikkompetenz relevanten Kontexte und Kompetenzen:

Schema der Mathematikkompetenz: Im Zentrum steht das mathematische Argumentieren, umgeben vom Kreislauf Formulieren, Anwenden sowie Interpretieren und Bewerten. Dazu kommen die Inhaltsbereiche Veränderungen und Zusammenhänge, Unsicherheiten und Daten, Grössen sowie Raum und Form, dazu verschiedene Kontexte und die Kompetenzen des 21. Jahrhunderts.

Die Revision der theoretischen Rahmenkonzeption der Mathematikkompetenz führte zu folgenden Veränderungen und Neuerungen: 

  • PISA 2022 zielt darauf ab, Mathematik in einer sich schnell verändernden Welt, die von neuen Technologien und Trends angetrieben wird, zu betrachten. Dadurch wird die Fähigkeit „Argumentieren“ in den Mittelpunkt gerückt. Diese Fähigkeit war jedoch schon immer Teil der Rahmenkonzeption von PISA.
  • Die Rahmenkonzeption berücksichtigt auch, dass die Schülerinnen und Schüler im Rahmen von PISA an einer computerbasierten Erhebung teilnehmen, und wurde dahingehend optimiert.

Definition naturwissenschaftliche Kompetenzen bei PISA
Die Rahmenkonzeption für die Naturwissenschaften wurde 2015, als Naturwissenschaften letztmalig Hauptdomäne war, revidiert. Bei PISA werden die Naturwissenschaften im Sinne einer «naturwissenschaftlichen Grundbildung» betrachtet; damit ist all das gemeint, was die Schülerinnen und Schüler sowohl in naturwissenschaftlicher als auch in technologischer Hinsicht auf gegenwärtige und künftige Herausforderungen im privaten und beruflichen Alltag vorbereitet.

Die naturwissenschaftliche Kompetenz umfasst die folgenden drei Hauptaspekte und zeigt die Beziehung zwischen diesen Aspekten auf: Naturwissenschaftliche Erklärung von Phänomenen, das Bewerten und Verstehen naturwissenschaftlicher Untersuchungen und naturwissenschaftliches Interpretieren von Daten und Fakten. Die Schülerinnen und Schüler wandten diese Kompetenzen in spezifischen Kontexten an, die ein gewisses Verständnis von Naturwissenschaft und Technologie erfordern; diese Kontexte bezogen sich im Allgemeinen auf persönliche, lokale oder globale Fragen.

Beispielaufgaben: Naturwissenschaften (OECD Website)

Schema der naturwissenschaftlichen Kompetenz: Kontextsituationen zu persönlichen, lokalen, nationalen und globalen Themen erfordern zu ihrer Lösung bestimmte Kompetenzen – Phänomene naturwissenschaftlich erklären, naturwissenschaftliche Forschung bewerten, Untersuchungen planen sowie Daten und Evidenz interpretieren. Wie eine Person dabei vorgeht, wird durch ihr Wissen und ihre Einstellungen beeinflusst.
PISA CH